Förderverein Zukunft für Otterthotty / Indien e. V.

Grundbedürfnisse der Menschen in Otterthotty und Umgebung

Ausführungen von Pater Periyanayagam Madalaimuthu, MSFS

Wir alle wissen, dass wir essen, trinken, schlafen und atmen müssen, um zu überleben. Sobald wir eines dieser Dinge dauerhaft einstellen, würden wir sterben. In Otterthotty und in der Umgebung haben die Leute aber andere Probleme wie bei uns hier in Deutschland. Die wichtigsten Grundbedürfnisse, die dort nur unzureichend befriedigt werden können, sind:

1. Bildung für die Kinder und Jugendliche
2. Hilfe bei Krankheiten (z.B. einer Operation bei lebensgefährlichen Krankheiten: Krebs, Herzoperation…)
3. Medizinische Grundversorgung von älteren, armen und mittellosen Menschen

1. Bildung für die Kinder und Jugendliche

Die Armut der kinderreichen Familien in Otterthotty und Umgebung ist groß. In der Folgen arbeiten sehr viele als Kinderarbeiter. Die Jungen im Steinbruch als Tagelöhner in vielen Bundesländern außerhalb von Karnataka. Die Mädchen im Textilgewerbe als Tagelöhnerin und auch als Hausmädchen in reichen Familien in den größeren Städten.

Viele von den Jungen im Steinbruch sterben jedes Jahr bei Unfällen während der Arbeit. Man kann diese Todesopfer durch Arbeitsunfälle in Otterthotty mindestens in einer von zehn Familien finden. Diese Situation ist äußerst schwierig und schmerzlich für viele Familien. Viele Jungen erkranken zudem wegen des nicht ausreichenden Arbeitsschutzes in den Steinbrüchen an Atemwegserkrankungen. Viele junge Männer haben nach einigen Jahren Arbeit im Steinbruch Asthma, nicht verheilte Knochenbrüche oder dauerhafte Entzündungen wegen fehlender ärztlicher Behandlung.

Viele Mädchen arbeiten im Textilgewerbe in Erode und in Tirupur (Bundesland Tamilnadu) und als Hausmädchen in reichen Familien. Sie werden oft Opfer häuslicher Gewalt oder Opfer von Gewalt in den Gewerbegebieten. Viele Mädchen werden sexuell missbraucht. Manchmal werden schwanger gewordene Hausmädchen zur Abtreibung gezwungen, misshandelt, geschlagen und vergewaltigt.

Die Mädchen erzählen das aus Scham oft nicht, aber meistens wissen es ihre Eltern und Verwandten. Sie können darüber nicht öffentlich sprechen oder offen dagegen kämpfen, weil dies das weitere Leben der Mädchen ruinieren würde. Sie würden außerhalb der Gesellschaft stehen und niemand würde dieses Mädchen heiraten.

Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Situationen verändern können, wenn wir diese Kinder und Jugendliche unterstützen, indem wir dabei helfen, dass sie eine gute Schulausbildung erhalten.

Wenn sie eine gute Bildung haben, dann können sie einen passenden Beruf erlernen und finden einen gut bezahlten Job. Diese jungen Erwachsenen im Berufsleben sichern dann ihrerseits ihrer Familie ein ausreichendes Einkommen. Ausreichendes Einkommen bedeutet nicht nur satt zu essen zu haben und eine größere Wohnung (evtl. mit eigenen Kinderzimmern und einem Bad/Toilette im Haus), sondern vor allen Dingen, dass die Kinder – Jungen und Mädchen – eine gute Schule mit vom Ausland anerkannten Abschlüssen besuchen können.

Leider sind das in Indien in der Regel Privatschulen mit entsprechend – für indische Verhältnisse – hohen Kosten. Jedem Kind und Jugendlichen, dem wir durch unseren Förderverein in Otterthotty den Besuch und Abschluss einer guten Schule ermöglichen ersparen wir die unmenschliche Arbeit im Steinbruch oder im Textilgewerbe bzw. das Begeben in die Abhängigkeit als Haushaltshilfe.

Eine gute Bildung ist daher wesentliche Voraussetzung und Garant für ein weiteres Leben in Würde und Unabhängigkeit.

2. Hilfe bei medizinischen Eingriffen bei lebensgefährlichen Krankheiten

Auf dem Land und in den Dörfern sterben die Menschen nicht wirklich wegen der Krankheit, sondern meistens weil kein oder zu wenig Geld für die Heilbehandlung vorhanden ist. Tagelöhner haben nicht genug Geld, um etwas für einen Krankheitsfall oder eine medizinische Behandlung zurück zulegen, geschweige denn das Geld für eine Operation.

3. Medizinische Versorgung von älteren armen und mittellosen Menschen.

Viele Familien sind arm und können sich deswegen nicht um die älteren Leute kümmern. Wenn diese älteren Menschen selbst nicht mehr arbeiten können, haben sie überhaupt kein Einkommen mehr und können, wenn die eigenen Kinder verstorben, nur überleben, wenn sie von Verwandten und der Dorfgemeinschaft unterstützt werden. Wenn noch Kinder leben, arbeiten diese oft auch nur als Tagelöhner. Dort verdienen sie meist zu wenig, um ihre eigenen Familien über Wasser zu halten. Trotzdem werden die Eltern im Rahmen des Möglichen unterstützt.
Das Leben im Alter ist daher oft von Schmerzen durch nicht behandelte Krankheiten geprägt und die alltägliche Situation ist erbärmlich. Sie haben nicht jeden Tag genug Essen um satt zu werden, schlafen oft im Freien oder hausen in selbstgebauten Hütten, die sie aus den weggeworfenen Sachen anderer bauen oder das benutzen, was die Natur ihnen bietet.
Sie brauchen mindestens eine medizinische Grundversorgung, und vielleicht etwas warme Kleidung für den Winter um auch im Alter noch würdevoll Leben zu können. Noch besser wäre natürlich die Möglichkeit, ihnen ein „Dach über dem Kopf“ zur Verfügung zu stellen.

 

Wir sind vier Geschwister in meiner Familie. Ich bin der älteste. Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. Über unsere Bildung kann ich folgendes sagen:
Meine Schwester hat eine staatliche Schule bis zur achten Klasse besucht. Ein Bruder hat die Schule bis zur vierten Klasse, und der andere bis nach der zweiten Klasse besucht.
Als ich jung war gab es Zeiten, in denen ich mich nach einem satt machenden Essen gesehnt habe. Dann gab es die Zeiten, in den ich wünschte so zu sein wie bekannte und berühmte Leute in meiner Heimat. Einer dieser Menschen war Pater Marie Redeskini aus Frankreich. Er war ein Missionspriester. Etwa 40 Jahren lang hat er über 1000 Menschen geholfen, eine Schulbildung zu erhalten. Ich bin auch einer von den Menschen, denen dieser Priester geholfen hat.
Ich habe also Glück gehabt. Pater Marie Redeskini aus der Ordensgemeinschaft "Missions Etrangères de Paris" hat mir den Schulbesuch bis zum Abschluss ermöglicht.
Die Schulbildung hatte für das weitere Leben bei uns Geschwistern unterschiedliche Folgen: Meine Schwester ist Hausfrau. Ein Bruder arbeitet als Tagelöhner auf dem Bau. Der andere Bruder – der mit dem kürzesten Schulbesuch – arbeitet in einem Steinbruch.

Ich konnte dank meiner Schulbildung Priester werden. Ich werde dem Pater Marie Redeskini mein Leben lang dankbar sein und ihn stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Die Bildung ist sehr wichtig. Es wäre ein Zeichen der Barmherzigkeit, wenn wir als Förderverein Zukunft für Otterthotty / Indien e. V. jedes Jahr möglicherweise ein paar Kindern einen Schulbesuch ermöglichen können. Diese Spende oder den Mitgliedsbeitrag können Sie steuerlich geltend machen.

Was wir dann gemeinsam schenken, ist eine bessere Zukunft und ein würdevolles Leben für diese Kinder.

Ich möchte meine Ausführungen mit den Worten Jesu abschließen: “Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan”. -Matthäus 25,40.

Ich bedanke mich im Namen des Fördervereins und der Kinder in Otterthotty ganz herzlich für Ihre Unterstützung!

Pater Periya

Kaplan an St. Johannes der Täufer Kirchhellen
Präses der KAB St. Josef Grafenwald und der KAB St. Barbara Feldhausen


Flyer - Seite 1 Flyer - Seite 2

Wer Mitglied im Förderverein werden möchte, findet hier den Aufnahmeantrag.

Der Förderverein Zukunft für Otterthotty / Indien ist lt. Bescheid des Finanzamtes Bottrop vom 19.08.2016, St. Nr. 308/5832/1377 VST 14, wegen Förderung der Jugend und Altenhilfe als gemeinnützig im Sinne des § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 AO anerkannt.


Gründungsversammlung "Förderverein Zukunft für Otterthotty / Indien": 7. August 2016

 
   

Bernhard Windmöller und Pater Periya besuchten im Herbst 2015 Otterthotty in Indien, die Heimat von Pater Periya. Am 26. Februar 2016 berichteten sie im Pfarrsaal über ihre Reise.

Mehr darüber auf der Seite der KAB.    

Bernhard Windmöller und Pater Periya besuchten 2017 wieder Otterthotty. Am 5. Mai hatte der Gemeindeausschuss ins Pfarrheim zum Indischen Abend eingeladen. Getränke und das Essen wurden von der Stiftung und vom Förderverein Hl. Familie finanziert, so dass alle Spenden des Abend für Otterthotty verwendet werden können.


letzte Änderung: 06.05.2017 Impressum