30. Mai 1934: Errichtung des Töfflinger-Denkmals

Paul Töfflinger war königlich-preußischer Revierförster. Er wurde 1914 von einem Wilderer erschossen. An der Stelle, an der Töfflinger getötet wurde, war 1914 zunächst ein großes Holzkreuz errichtet worden, das aber nach und nach verrottete. Deshalb ließ der damalige Hegering Kirchhellen-Bottrop am 30. Mai 1934, genau 20 Jahre nach der Tat, an dieser Stelle einen Findling mit einer bronzenen Gedenktafel aufstellen.

Grafenwald

Das Foto zeigt die Feier zur Errichtung des Gedenksteins 1934.

Die Gedenktafel hat folgende Inschrift:

"Zum Andenken an den Revierförster
Paul Töfflinger, geb. 17.4.1871,
er fiel durch Wildererhand in treuer Pflichterfüllung am 30.5.1914"

Auf dem Bild sind zu sehen (von links nach rechts): Wilhelm Döring, dahinter Revierförster Schäfer, Revierförster Reinersmann, dahinter Revierförster Spiekermann, Revierförster Brinkmann, Revierförster Luft, Direktor Becker, dahinter Revierförster Benzel, Rektor Schulte Strathaus, Ludwig Diehl, Willy Töfflinger, Erich Töfflinger, Gerhard Töfflinger, Revierförster Bodemann.

Direktor Becker (von der Firma Thyssen) wurde von Paul Töfflinger kurz vor der Tat auf einen Rehbock angesetzt.

Rektor Schulte Strathaus war von 1905 bis 1909 als junger Lehrer in Grafenwald tätig und ein guter Freund Töfflingers. Schulte Strathaus wurde später Rektor in Gladbeck-Zweckel an der Pestalozzi-Schule. Paul Töfflinger war noch bis zwei Stunden vor seinem Tod bei den Freunden Heinrich und Käthe Schulte Strathaus in Gladbeck auf der Schützenstraße zu Besuch.

Willy, Erich und Gerhard Töfflinger sind Söhne von Paul Töfflinger.

Revierförster Bodemann ist Nachfolger Töfflingers im Forsthaus in Grafenwald.

Unter dem Gedenkstein liegt eine Urkunde mit folgendem Text:

Urkunde

Am Vorabend des Pfingstfestes, am Sonnabend, den 30. Mai 1914, abends um 9 Uhr, wurde an dieser Stelle der Förster

Paul Töfflinger

vom Forsthaus Grafenwald, nachdem er den Direktor Becker von der Fa. Thyssen und Co. in Mülheim an der Ruhr, zum Anstand auf einen Rehbock angesetzt hatte und dann einen Reviergang antrat, von zwei Wilderern Namens Brüggemann aus Bottrop und Fahnenbrock aus Kirchhellen hinterrücks erschossen. Die mörderische Kugel drang über dem rechten Schulterblatt ein und trat an der rechten Halsseite wieder heraus, sie wirkte sofort tödlich.
Zwei sich in der Nähe befindliche Passanten (Riesener und Schwager, von der in der Nähe gelegenen Wirtschaft Riesener) gingen auf den Schuss zu und fanden Töfflinger in den letzten Zügen im Graben liegen. Da der Tod bereits eingetreten war, fiel es schwer, die inzwischen flüchtig gewordenen Mörder zu ermitteln.
Der Zufall wollte es, dass man den beiden als Wilderer bekannten, oben genannten Tätern, auf die Spur kam. Fahnenbrock war kurze Zeit vorher von Töfflinger zur Anzeige gebracht worden, was ihm 30 RM Geldstrafe einbrachte. Infolgedessen hatte der Wilderer dem Förster Rache geschworen, die er jetzt in Gemeinschaft mit seinem Komplizen ausführte.
Während es gelang, den Brüggemann in seiner Wohnung in Bottrop durch den Gendamerie-Wachtmeister Husemann und dem Kriminalschutzmann Klingehöller, beide aus Gladbeck, zu verhaften, konnte Fahnenbrock fliehen.
Brüggemann kam ins Gefängnis, wo er sich selbst richtete und erhängte. Fahnenbrock konnte nach England entkommen, von wo er jedoch wieder zurückkehrte. Bei den Aufständen von "Rosa Luxemburg" traf ihn eine Kugel und er wurde tot an einer Zechenmauer gefunden. Der Schütze blieb unbekannt.

Das Foto und der Text der Urkunde wurden von Maria Ries, Tochter von Rektor Schulte Strathaus, zur Verfügung gestellt.


Grafenwald Grafenwald   Im Laufe der Jahre wurde die bronzene Gedenktafel mehrfach gestohlen. Der Hegering ließ 1963 eine neue Marmorplatte mit derselben Aufschrift anbringen.
 

 

Grafenwald

Am Töfflingerdenkmal fanden mehrmals Gedenkfeiern statt. Von 1964 und 1989 gibt es hier Fotos.
Die Presse berichtet u. a. 1975, 1983, 1984, 1989 und 2004.


letzte Änderung: 24.01.2009 Impressum - Datenschutz