Düsing-Steffen, Ecke Heimersfeld/Ottenschlag


 
   

 
  Bescheinigung der Gewerbeanmeldung
Der Theodor Steffen wohnhaft zu Holthausen 114 wird hierdurch bescheinigt, dass derselbe den selbstständigen Betrieb Handel mit Fleisch und Wurstwaren heute hier angemeldet hat.
Hört der Gewerbebetrieb auf oder wird das Geschäft nicht mehr in gewerbesteuerpflichtigem Umfange betrieben, so muss dies sofort bei dem Gewerbesteuerausschuss IV in Recklinghausen angezeigt werden. Solange diese Anzeige nicht gemacht wird, muss die Gewerbesteuer fortgezahlt werden.
Kirchhellen den 4ten März 1914
Der Amtmann
 
  Das Haus Düsing an der Ecke Heimersfeld / Ottenschlag. Dieses Foto zeigt das Haus noch vollständig, während bei dem unten gezeigten Bild vom Abriss schon ein Teil des Hauses auf der südlichen Seite fehlt.

Die Bilder wurden von Heinrich Ladzinski zur Verfügung gestellt.


In der WAZ vom 23. Februar 2007 war über diesen Kotten zu lesen:

Kanne Bier, aber keine Blutwurst

Wilhelm Theodor erinnert sich an die herrliche Kindheit auf Hof Düsing an der Ecke Heimesfeld/Ottenschlag. Heimatforscher Heinrich Ladzinski entdeckte alte Unterlagen

Von Jennifer Kuhlmann

Irgendwann wühlt jeder einmal in einer Kiste mit Fotos aus Zeiten der Groß- oder Urgroßeltern. "Wie das damals und wie hat die Familie zusammen auf dem Hof gelebt?", wurde Wilhelm Theodor Ferdinand beim Foto-Stöbern von seinen Kindern gefragt. Seine Kindheit und Jugend hat er in Grafenwald Nr. 114 verbracht, der noch heute als Hof Düsing-Steffen bekannt ist.

Lippramsdorfer kaufte 1872 das Grundstück
"Während ich aus der Vergangenheit erzählte, packte mich die Lust, mehr über den Kotten zu erfahren" und präsentiert mit Grafenwalds Heimatforscher Heinrich Ladzinski eine dicke Mappe mit Infos und Kopien gesammelt haben.

Gekauft hat das Grundstück an der Ecke Heimersfeld/Ottenschlag der Urgroßvater von Ferdinand, Franz Steffen aus Lippramsdorf im Jahr 1872. Zwei Jahre zuvor hatte er die Bottroperin Gertrud Düsing geheiratet. Auf dem über 3000 qm großen Grundstück baute Franz Steffen mit seinem Schwiegervater Theodor Düsing ein stattliches ländliches Haus (Kotten), das fürs nächste Jahrhundert der ganzen Familie Platz bieten sollte.

  Der alte Kotten Düsing am Heimersfeld kurz vor dem Abriss, rechts das neue Haus.

Maurer mit Gewerbeschein für eine Metzgerei
"Mein Großvater, der Sohn von Franz Steffen, hat den Hof übernommen und 1914 die amtliche Erlaubnis erhalten, eine Rind- und Schweinemetzgerei zu unterhalten", zeigt Ferdinand auf den Gewerbeschein, den er im Nachlass der Großmutter gefunden hat. Etwas ungewöhnlich für einen gelernten Maurer wie Theodor Steffen. "Aber um diese Zeit gab es im Winter immer Hausschlachtungen, deshalb ist es nicht ganz ungewöhnlich, dass Steffen das Gewerbe ausbaute", weiß Ladzinski. Nach der Kirche kamen die Leute der Umgebung und kauften Fleisch und Wurst bei Steffens Frau Maria (geb. Notthoff), die sich im Eckzimmer des Hauses einen Verkaufsraum eingerichtet hatte.

Großvater fiel im Ersten Weltkrieg
Aber das Glück währte nicht lange: Bereits im selben Jahr zog Theodor Steffen als Soldat in den Krieg: und fiel am 20. April 1917. "Für meine Großmutter eine harte Zeit", so Ferdinand, "sie versuchte, den Betrieb mit ihren vier Kindern aufrecht zu erhalten und hat sich in der Kriegszeit so durchgeschlagen." Allerdings fehlte es wohl an einem gelernten Metzger, so dass sich die Familie nur für den Eigenbedarf mit Fleisch versorgte und von der Landwirtschaft lebte.

Eishockey-Spiele auf Teich an der Grafenmühle
Nach dem Zweiten Weltkrieg übertrug die Großmutter den Hof an Ferdinands Mutter Hedwig, die bereits seit Jahren mit Wilhelm Ferdinand verheiratet und mit der Familie aus Bayern zurückgekehrt war, wohin es ihren Mann beruflich verschlagen hatte. "Ich bin das einzige von sechs Geschwistern, das wirklich im Bottrop geboren ist", lacht Ferdinand, der älteste Sohn von Hedwig Ferdinand, der mittlerweile in Xanten wohnt. Er erinnert sich gerne an seine Kindheit in Grafenwald. "Es war eine tolle Zeit. Diese große Landfläche, die zum Haus gehörte. 40 Obstbäume  und ein richtiger Bauerngarten rundherum. Und immer genug Nachbarskinder zum Spielen." Im Winter wurde auf dem Teich an der Grafenmühle Eishockey gespielt, im Sommer Indianer in den Feldern. Wenn ein Schwein geschlachtet wurde, war die ganze Verwandtschaft zugegeben, er selbst durfte kleine Blut- und Leberwürste an die Nachbarn verteilen. "Manchmal wurde ich auch mit der Kanne zu Haus Buschler geschickt, um Bier zu holen", grinzt er.

Alter Kotten wurde 1964 abgerissen
1964 wurde ein Teil des schon maroden Kottens abgerissen und ein Neubau direkt daneben hochgezogen. Der alte Kotten wurde später ganz abgerissen. Zu dieser Zeit wohnte Wilhelm Theodor Ferdinand bereits mit einer eigenen Familie in einem Heim um die Ecke. Heute wohnt die Witwe von Ferdinands jüngerem Bruder mit zwei erwachsenen Kindern im "Neubau". Die vierte und fünfte Familiengeneration also.

Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Ferdinand mit Ladzinskis Hilfe alle Informationen zusammengetragen hatte. "Von den älteren Generationen, die die Metzgerei noch kannten, lebt kaum noch einer", sagt Ladzinski. "Deshalb werden viele Grafenwälder überrascht sein."

Wilhelm Theodor Ferdinand

Mappen über Geschichte des Hofes für die Kinder
Für seine Kinder will Ferdinand nun Mappen anfertigen, in der die Geschichte des Kottens und seiner Bewohner festgehalten ist. Dort werden sie ihren Ur-Großvater als Soldaten und die Sippschaft bei der Silberhochzeit der Großeltern bestaunen können.


letzte Änderung: 01.06.2007 Impressum